Händeschütteln in den Kliniken und in Praxen.
Leider werden in vielen Krankenhäusern und Arztpraxen noch zur Begrüßung/Verabschiedung die Hände geschüttelt. Und das sind die Orte, wo überdurchschnittlich viele kranke Personen anzutreffen sind, teilweise auch immungeschwächt. Und es sind auch die Orte, an denen viele pathogene Keime zu finden sind.
 
Inzwischen fordern auch schon US-amerikanische WissenschaftlerInnen dass in Kliniken und Praxen auf das Händeschütteln verzichtet wird. Sie schlagen vor Patienten und medizinisches Personal besser über die hygienischen Probleme bei dieser Begrüßungsform aufzuklären. Der Artikel erschien in der JAMA ( The Journal of the American Medical Association) 2014;311(24):2477-2478. doi:10.1001/jama.2014.4675.

“Handshake-free zone: to protect your
health and the health of those around
you, please refrain from shaking hands
while on these premises.”

Das PDF ist hier zu finden: Banning the Handshake from the Health Care Setting
http://jama.jamanetwork.com/article.aspx?articleid=1873637

Laut Hygiene-Verordnung müssen die Hände vor und nach jedem Patientenkontakt 30 Sekunden lang mit Desinfektionsmittel desinfiziert werden:

Desinfektionsmittel in die trockenen Hände geben und nach dem oben aufgeführten Verfahren 30 Sek. in die Hände bis zu den Handgelenken kräftig einreiben.
http://www.fa-ced.de/hygiene_verordnung.pdf

Das es in den deutschen Kliniken oft nicht so ist, wurde in einem Artikel der Zeit am 12.09.2012 beschrieben:

Der Chefarzt betritt den Raum ohne Schutzkittel und Mundschutz

"Weiter geht die wilde Hatz", ruft Chefarzt Rümenapf in Speyer, schreitet über den Flur und hält samt Gefolge vor einem Isolierzimmer. Der Farbcode Orange an der Tür zeigt den Verdacht auf MRSA an, und das heißt: Mundschutz anlegen. Doch der Chefarzt betritt den Raum beherzt ohne Schutzkittel und ohne Mundschutz. Weder die Hygienefachkraft noch die Schwester oder einer der Assistenzärzte machen ihn darauf aufmerksam. Es bleibt nicht das einzige Versäumnis. Einmal schüttelt der Chefarzt einem Patienten drei Sekunden nach der Händedesinfektion die Hand, das Desinfektionsmittel muss aber mindestens 30 Sekunden einwirken, erst dann hat es ausreichend Keime auf der Hand eliminiert. Danach streicht der Ärmel seines Kittels gefährlich nah über eine offene Wunde. Die Hygienefachkraft seufzt: "Die Kittel sind eben Tradition." Anders als in Großbritannien oder den Niederlanden sind kurze Ärmel in Deutschland im Umgang mit den Patienten nicht vorgeschrieben. Gerhard Rümenapf ist jedoch kein besonders negatives Beispiel. Wer in ein Krankenhaus geht, wird immer wieder solche Ausrutscher entdecken.

http://www.zeit.de/2013/37/krankenhaushygiene-infektionsschutz



Achten Sie einmal darauf, geschieht dies wirklich wenn der Arzt/die Ärztin jemanden begrüßt? Die Hände müssten noch feucht vom Desinfektionsmittel sein. Und in´der heutigen Zeit wo zu wenig Pflegepersonal und Ärzte/Ärtzinnen in die Kliniken sind, da wird kaum die Zeit dazu gefunden. Man stellt sich vor, dass der begrüßende Arzt/die Ärztin vor und nach jeder Begrüßung zum Desinfektionsspender zurück gehen. Es sei denn, die Flasche ist im Kittel.
Bei einer Visite mit z.B. 10 Patienten/Patientinnen muss der Arzt/die Ärztin mindestens 11 Mal die Hände desinfizieren, das sind 330 Sekunden, 5,5 Minuten die für die Handdesinfektion verwenden werden müssen.
Zudem müsste der Raum auch extrem nach Desinfektionsmittel riechen.
Was für eine immenser Zeitaufwand nur um die Hand zu schütteln. Zeit die im Klinikalltag sicherlich anderweitig gebraucht wird.
Das bedeutet keineswegs dass die Handdesinfektion vernachlässigt werden soll. Im Gegenteil, sie ist ein wichtiger Bestandteil zur Vermeidung von Infektionen.

Hier ein Bericht dazu aus der FAZ am 11.09.2012

Intelligente und schöne Zerstäuber

Untersuchungen mit Intensivstationen ergaben, dass es für das Personal bei manchen Patienten während 24 Stunden etwa 120 bis 350 Indikationen zur Handdesinfektion gibt. Bei 30 Sekunden pro Desinfektion sind das im Extremfall drei Stunden Handdesinfektion - Zeit, die kaum zu erübrigen ist. Wo die Zeit schon knapp ist, fehlen auch noch die Spender: „Ein Vierbettzimmer mit nur zwei Spendern ist keine Seltenheit“, sagt Reichardt.

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/krankenhaus-hygiene-handgemacht-und-hausgemacht-11886606.html

 

Mehr Tote durch resistente Keime in Krankenhäusern

In Krankenhäusern sterben mehr Menschen an resistenten Keime als bisher bekannt. Die Zahl der Toten soll weit über den offiziellen Angaben liegen. In deutschen Krankenhäusern sterben Medienberichten zufolge mehr Menschen an Infektionen durch resistente Erreger als bisher bekannt. Aus Daten der Krankenhäuser gehe hervor, dass im vergangenen Jahr bei verstorbenen Patienten mehr als 30.000 Mal einer der drei meistverbreiteten resistenten Keime abgerechnet worden sei, berichteten die „Zeit“, „Zeit Online“, die Funke-Mediengruppe und „Correctiv“.


http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/mehr-tote-durch-resistente-keime-in-krankenhaeusern-13275919.html

 

Dazu wurde mir folgendes berichtet:

Eine Bekannte von mir lag im Zweibettzimmer in einem Krankenhaus. Der Chefarzt der Chirurgie  kam zur Visite. Er untersuchte die Operationsnarbe (Blinddarm-OP) einer Patientin. Direkt danach, ohne sich die Hände zu desinfizieren untersuchte er die zweite Patientin, meine Bekannte. Nachdem der Chefarzt den Raum verlassen hatte fragte meine Bekannte die Krankenschwester, ob das Krankenhaus ein Hygienezertifikat hätte. Die Krankenschwester antwortete, dass das Krankenhaus natürlich eines hätte, warum sie fragen würde. Weil der Chefarzt  sich nicht die Hände desinfiziert hätte, nachdem er die Blinddarmnarbe der Patientin untersucht hatte.
Am nächsten Tag, die Schwester hatten wohl über das Gespräch informiert, kam die Stationsärztin mit nassen Händen zu meiner Bekannten und sagte, dass ihre Hände noch nass seien vom Desinfektionsmittel.
 
Ein Arzt oder eine Ärztin, die sich noch nicht einmal vor und nach der Untersuchung der Patienten die  Hände desinfizieren. Ist da anzunehmen dass die sich die Hände vor und nach dem Händeschütteln desinfizieren? So wie es laut Hygiene-Verordnung vorgeschrieben ist.